Die Alte Steige

Alte Steige

Die Straßenplaner des Landratsamtes haben angeblich etwas tolles entworfen: Einen Quantensprung  im Radverkehrsnetz nennen sie es. Doch was verbirgt sich dahinter?

Sie wollen die Steige für Kraftfahrzeuge sperren und sie nur noch dem Radverkehr öffnen. Dafür muss dann eine Straße auf der Albhochfläche her, die bis zu 5 Hektar Ackerland verschlingen könnte. Eine Fläche mit der man 670 Menschen ein Jahr lang ernähren könnte und zudem eine Menge an zusätzlicher CO2-Emission durch die Umwege für die Kraftfahrzeuge aus Sonderbuch, Asch, Wippingen und Bermaringen erzeugen würde.

Ist es wirklich notwendig und sinnvoll, unter Abwägung aller Effekte, einen derartigen XXL-Radweg durch den Bau einer neuen Kreisstraße zu erzwingen?
Die kürzeste Verbindung mit dem Rad nach Blaubeuren ist die bestehende Steige. Wenn man die Straße ins Tal hinab fährt kommt man mit dem Autoverkehr eigentlich kaum in Kontakt.
Fährt man nach oben, treffen Radfahrende und Autofahrende häufiger aufeinander, wobei keine Unfälle zwischen Autos und Radfahrenden bekannt sind. Radverkehr auf der Steige wirkt sich auf Autofahrer entschleunigend aus, vor allem deswegen, wenn man sich besinnt, dass die Konsequenz als Autofahrer keine Rücksicht auf Radfahrende zu nehmen bedeuten würde, künftig 8 min Umweg für eine Umfahrung auf der Alb in Kauf nehmen zu müssen.
Es gibt also einen geeigneten Weg mit dem Rad nach Blaubeuren.

Für Wanderer und sehr ambitionierte Radfahrer gibt es neben der Sonderbucher Steige eine weitere hervorragende Verbindung: Es ist die Alte Steige.
Die nahezu 20% Steigung am oberen Ende, könnten durch den Ausbau vorhandener Wanderwege umgangen werden. Die Maximalsteigung wären dann ca. 14% im unteren Bereich. Ein Wert, den man den Randfahrern beim Radweg neben der Weidacher Steige auch zugemutet hat. Ob dieser Eingriff wirklich sinnvoll und notwendig wäre bleibt fraglich. Es wäre jedoch besser als 5ha für eine neue Straße zu verbrauchen.

Ein zweijähriger Bub schafft es, innerhalb von 30 Minuten, zu Fuß, vom Anfang der Alten Steige bis auf den Markt nach Blaubeuren in der Karlstraße zu gelangen.

Die Breite des Weges ermöglicht es eigentlich, selbst mit dem Kinderwagen, hinauffahrenden Radfahrenden bequem zu begegnen. Das Wirkliche Problem dabei stellen eher Steine und Geröll, sowie die ausgewaschene natürlich entstandene Regenwasserrinne auf dem Weg dar.
Wirklich herausfordernd sind hier jedoch die Büsche die sich beiderseits in den Weg drängen.
Teilweise passt gerade noch eine Hand zwischen die links und rechts vom Wegrand her, nach einem greifenden, Zweige.

Diesen gilt es natürlich besonders an Regentagen, wie sie in diesem Sommer häufig vorkamen, auszuweichen, da man ansonsten vollkommen durchnässt am jeweiligen Ende der Steige ankäme. Diese Tatsache ist schwer auszuhalten, wenn man weiß, dass sich derzeit nach einem neuen Rad- und Wanderweg umgeschaut wird, während man es unterlässt, die bestehende Verbindung zu pflegen.

Diese Bilder sind Zeugnis dafür, wie schändlich mit einem bereits vorhanden und durchaus unter uns Einheimischen bekannten und rege benutzten Steigweg umgegangen wird! Warum wird hier kein Rückschnitt der Wegränder veranlasst?!
Wenn dieses Schicksal der Verbuschung auch der jetzigen PKW-Steige zuteil wird, sieht es schlecht aus für den Apollofalter.

Früher, war diese sogenannte alte Steige den Menschen aus Blaubeuren und auf der Albhöhe ganz offensichtlich mehr Wert. Mit, von mindestens vier Pferden gezogenen, Wagen brachte man die Frucht (also das geerntete Getreide), von der Schwäbischen Alb hinunter zu den Mühlen (bspw. Schimmelmühle in Blaubeuren) und anschließend als Mehl wieder hinauf.

Sogar Wasser wurde mit Pferdekraft von unten her hinauf auf die Alb geschleppt. Wohlgemerkt aus der Quelle der schönen Lau selbst. Denn sobald das Wasser in den Albhülen zu kippen drohte, kam ein Problem auf.

So erzählte Großmutter Bohnacker stets die Anekdote vom verdorbenen Wasser: „Fer os däts des scho no. Blos ’s Vieh mags hald nemme saufa.“

Heute hat der Fußverkehr und Radverkehr also anscheinend nicht den großen Stellenwert gegenüber dem Kraftfahrzeugverkehr in der Haushaltsplanung. Sonst würde man die alte Steige doch besser passierbar erhalten. Dass man das nicht tut lässt schlimmes für den zukünftigen Radweg „Sonderbucher Steige“ ahnen.

Bürgermeister Seibold hat in der Kreistagssitzung, beim Ausschuß für Umwelt und Technik, bereits angemerkt, dass die Lastenträgerschaft des geplanten XXL-Radwegs zu welchem die Sonderbucher Steige umfunktioniert werden soll, noch geklärt werden müsse und dass dies kein Selbstläufer sein könne.

Kann es sein, dass also für den Bau einer neuen Straße ein Radweg als Grund vorgeschoben wird, den später niemand unterhalten möchte?
Ist das der eingangs erwähnte Quantensprung?

 

Ein Kommentar

  1. Thomas Albrecht

    Ziemlich schäbig, wenn Blaubeuren da eine attraktive Fussverbindung verkommen lässt. Wenn wir die Mobilitätswende schaffen wollen, brauchen wir genau solche Wege und ein regelmässiger Freischnitt ist ja relativ günstig. Haben denn Sonderbuch und Asch keine Vertreter:innen im Gemeinderat?

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